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Ein Virtuose der Verse

- Peter Rühmkorf, Selbstporträt.

- Peter Rühmkorf, Foto: Stefan Ulrich Meyer
Ausstellung „Peter Rühmkorf: Die Jahre die Ihr kennt. Leben und Werk des großen deutschen Dichters“ vom 2. Juli bis 16. Oktober im Museum für Westfälische Literatur auf dem Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde-Stromberg. Literarisches Konzert mit Peter Rühmkorf und dem WAF-Jazz-Ensemble zur Eröffnung.
Er ist „der größte lebende Vers-Virtuose Deutschlands“, sagt Hans Magnus Enzensberger über Peter Rühmkorf. Und er ist zugleich Dichter und Maler, komischer Zeichner und Jazz-Musiker. In der Ausstellung „Die Jahre die Ihr kennt. Peter Rühmkorf. Leben und Werk des großen deutschen Dichters“ stellt das Museum für Westfälische Literatur das vielseitige Oeuvre des gebürtigen Dortmunders vor. Eröffnet wird die Schau am 2. Juli mit einem einzigartigen literarisch-musikalischen Ereignis, wenn der preisgekrönte Schriftsteller zusammen mit dem WAF-Jazz-Ensemble ein literarisches Konzert als experimentelle Verbindung von Lyrik und Jazz in Oelde-Stromberg zur Uraufführung bringt.
Seit den fünfziger Jahren gilt Peter Rühmkorf als „Inbegriff einer formvollendeten, zugleich spielerisch leichten, sehr zeitbezogenen, mitunter frechen und gern auch deftigen Lyrik“ (Lutz Hagestedt). Und im Unterschied zu vielen seiner Schriftstellerkollegen, die einen großen Papierkorb besitzen, ist er ein Jäger und Sammler, der zur Aufbewahrung seiner umfangreichen Werkfassungen und Korrespondenzen, seiner kleinen Fundstücke und großen Schätze ein eigenes Archiv in Hamburg unterhält.
Die Wanderausstellung ist als begehbares Bilderbuch und Werkschau so konzipiert, dass in den Fundstücken aus verschiedenen Abteilungen des Archivs „die Geschichte der Bundesrepublik noch einmal ersteht. Eine Geschichte am lyrischen Leitfaden, die Poesie und ihre politischen Anlässe wieder in einem Atemzug nennen darf, ohne in ideologische oder gesinnungsästhetische Literaturgeschichtsschreibung zurückzufallen“, schrieb die Neue Zürcher Zeitung über die letzte Station der Ausstellung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe. Was Rühmkorf in seinem 1972 veröffentlichten Erinnerungsbuch „Die Jahre die Ihr kennt“ geschildert hat, wird durch Dokumente aus Zeitgeschichte, Leben und Werk vergegenwärtigt und weitererzählt bis zu den jüngsten Veröffentlichungen.
Gezeigt werden neben vielen Fotos aus allen Lebensphasen Karikaturen des Gymnasiasten in Stade, von alliierten Bombern abgeworfene Flugblätter, die der 12-Jährige gesammelt hat („mein Fernlehrkursus, meine Politakademie, meine Kunsthochschule, mein Manna“); Autographen, Erstausgaben, Plakate (von einer staunenswerten Liste an Lesungen, Auftritten, Jazz-und-Lyrik-Konzertreisen); Manuskripte und Typoskripte, die einen Einblick in die Werkstatt des Dichters ermöglichen; Briefe, Leserechos, Tondokumente sowie seine zeichnerischen Capriccios und collagierten Scherzpostalien. Ergänzt wird die Ausstellung durch Tonzeugnisse an den drei Audiostationen im Museumspark.
Währungsreform, Adenauer-Ära und Anti-Atom-Bewegung, die Jahre der großen Koalition und ApO-Zeit wirken nicht nur unterschwellig in Rühmkorfs Leben hinein. Er findet im Gedicht oder im politischen Leitartikel Antworten, die nicht folgenlos bleiben: Den Begriff „Außerparlamentarische Opposition“ hat er schon Ende der 50er Jahre formuliert, die Ermunterungen „Komm raus!“ und „Bleib erschütterbar und widersteh“ Mitte der 70er. Wie sich Lebens- und Werkgeschichte aufs Anschaulichste mit 50 Jahren Geschichte der Bundesrepublik verbinden oder an ihr reiben, kann nun im Museum für Westfälische Literatur betrachtet werden.
Bereits während seiner Studienzeit begann Rühmkorf publizistisch zu arbeiten und hat diese Tätigkeit später als Herausgeber (Die Pestbeule, Zwischen den Kriegen u.a.) und Mitarbeiter verschiedener Zeitungen sowie in Rundfunk und Fernsehen fortgesetzt. Seit 1956 hat er eigene Bücher veröffentlicht und zahlreiche Werke anderer Autoren herausgegeben. Nach seiner Tätigkeit als Lektor im Rowohlt-Verlag, folgten ab 1964 verschiedene Poetik-Dozenturen im In- und Ausland (Universität Essen, Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main, University of Warwick in Großbritannien usw.). Seit 1966 präsentiert der „Aufklärer in kleinen Schritten“ (Peter Mohr) mit verschiedenen Musikern Jazz-und-Lyrik-Veranstaltungen.
Der mit Ehrendoktoraten und zahlreichen Stipendien gewürdigte Lyriker erhielt u.a. den „Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis“ (1979), den „Arno-Schmidt-Preis“ (1986), den „Georg Büchner-Preis“ (1993) und den „Nicholas-Born-Preis des Landes Niedersachsen“ (5344).
Rühmkorf lebt in Övelgönne bei Hamburg und ist Mitglied des PEN, der Akademie der Künste in Berlin und der Akademie der freien Künste in Hamburg.
Bei ihrem literarischen Konzert zur Eröffnung der Ausstellung am 2. Juli tritt der Lyriker mit den Musikern des WAF-Jazz-Ensembles erstmals gemeinsam auf die Bühne. Das Jazz-Quintett ist mit erfahrenen Profimusikern besetzt, die allesamt aus der Region Warendorfs stammen und regelmäßig auch im Ausland konzertieren. In der Begegnung mit Rühmkorf ergibt sich für die Musiker die Gelegenheit, Material und Kompositionen ganz gezielt für diesen Abend auszuwählen, zu arrangieren sowie auch neu zu schreiben. Ein literarisch-musikalisches Experiment also, das auf dem Kulturgut Haus Nottbeck seine Uraufführung erlebt. Die Quintett-Besetzung besteht aus Christian Kappe (Flügelhorn, Trompete und Effekte), Ansgar Elsner (Saxophone), Burkhard Jasper (Klavier), Alexander Morsey (Bass) und Klaus Gunnemann (Schlagzeug). Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr.
Die Ausstellung „Die Jahre die Ihr kennt. Peter Rühmkorf. Leben und Werk des großen deutschen Dichters“ ist im Museum für Westfälische Literatur vom 2. Juli bis zum 16. Oktober 2005 in Oelde-Stromberg zu sehen.
Karten für das Eröffnungskonzert am 2 Juli (Beginn 20 Uhr) sind für 12,- EUR (zzgl. VVK-Gebühr) im Vorverkauf beim Glocke-Ticket-Service unter 02522/73300 erhältlich.
Museum für Westfälische Literatur - Kulturgut Haus Nottbeck
Landrat-Predeick-Allee 1
59302 Oelde-Stromberg
Öffnungszeiten:
Dienstag – Freitag: 14.00 – 18.00 Uhr
Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 11.00 – 18.00 Uhr
Kultur-Café
Öffnungszeiten:
Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 14.00 – 18.00 Uhr
Und nach Vereinbarung
Weitere Informationen unter Tel.: 0 25 29 / 94 55 90

