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Marlon Brandos Stimme liest Georg Weerth

- Helmut Krauss bei seiner legendären Jodocus-Temme-Lesung 2004 im Museum für Westfälische Literatur

- Karikatur zu Georg Weerths Roman „Leben und Taten des berühmten Ritters Schnapphahnski“. Lithographie. 1848.
Der Schauspieler Helmut Krauss lässt auf dem Kulturgut Haus Nottbeck die geistreichen Satiren des Vormärz-Dichters lebendig werden
Er ist einer der gefragtesten Hörspiel- und Synchronsprecher Deutschlands. Helmut Krauss. Wenn er spricht, dann erklingt der tiefe Bass Marlon Brandos oder die rauchige Stimme Samuel L. Jacksons, in jedem Fall liegt ein Hauch von Hollywood in der Luft. So auch am 22. September in Oelde-Stromberg, wenn der beliebte Schauspieler mit seinem Programm zum Vormärz-Dichter und Feuilletonisten Georg Weerth auf dem Kulturgut Haus Nottbeck ein Gastspiel gibt. Charmant und augenzwinkernd zugleich stellt Krauss die satirischen Schriften Weerths mit ihren intelligenten Spötteleien, Parodien und zeitkritischen Anspielungen vor. Begeleitet wird der literarische Abend von den Jazz-Improvisationen des Saxophonisten Ansgar Elsner. Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr.
Es ist nicht seine charismatische Stimme allein, durch die Helmut Krauss bekannt wurde. Als Schauspieler war der 64-Jährige in zahlreichen Film- und Fernsehrollen (u.a. „Tatort – Ein Schuss zuviel“, „Klemperer“, „Praxis Bülowbogen“) zu sehen. Er leitete eigene Theaterprojekte und stand in vielen Theater- und Musical-Produktionen, zuletzt bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg, auf der Bühne. Mit dem Theater des Ostens geht er ab Oktober mit Umberto Ecos „Im Namen der Rose“ und Bernard Shaws „Die heilige Johanna“ auf Tournee. Jüngere Zuschauer kennen ihn vor allem als griesgrämigen Nachbarn „Paschulke“, der Peter Lustig in der Kindersendung „Löwenzahn“ das Leben schwer macht. Und auch den Besuchern des Kulturguts Haus Nottbeck dürfte Helmut Krauss noch in guter Erinnerung sein durch seinen legendären „Jodocus-Temme-Abend“ im vergangenen Jahr.
Mit Georg Weerth präsentiert Krauss nun einen der interessantesten und einflussreichsten Dichter der deutschen Revolution von 1848. Weerths Waffe war der intelligente Wortwitz, sein Ziel das befreiende, entlarvende Lachen. Wie kein anderer verstand es der 1822 in Detmold geborene Dichter und Journalist, das Elend der Arbeiterklasse und die Untätigkeit der Mächtigen mit beißender Satire zu enthüllen. Besonders während seiner Zeit als Feuilletonchef der Neuen Rheinischen Zeitung entwickelten sich die satirischen und schriftstellerischen Qualitäten des überzeugten Demokraten zu voller Blüte. Er wurde zu einem der Vordenker der Märzrevolutionäre.
An einen Platz in der Literaturgeschichte dachte der Satiriker Weerth dabei niemals; sein schwarzer Humor sollte den Blick der Leser für die Probleme der Gegenwart schärfen. So publizierte er fast ausschließlich Feuilletonartikel. Sicher ist dieser fragmentarische Charakter seines Werks auch dafür mitverantwortlich, dass sein literarisches Schaffen lange Zeit in Vergessenheit geriet.
Dabei haben Weerths brillante Satiren und Parodien ohne weiteres vor der Literaturgeschichte Bestand. Das beweist nicht zuletzt Helmut Krauss mit seinem Programm. Er wird neben dem Roman „Leben und Taten des berühmten Ritters Schnapphahnski“, in dem Georg Weerth mit spitzer Feder den Adel parodiert, auch die „Humoristischen Skizzen aus dem deutschen Handelsleben“ vorstellen. In ihnen nimmt Weerth, der selbst lange als Kaufmann tätig war, das Bürgertum und dessen unentschiedenes Verhältnis zur Demokratie aufs Korn.
Auch der Saxophonist Ansgar Elsner, der Helmut Krauss musikalisch begleitet, ist auf dem Kulturgut Haus Nottbeck kein Unbekannter. Als Mitglied des WAF-Jazz-Ensembles begeisterte er schon die Besucher des „Peter-Rühmkorf-Abends“ im Juli mit seinen unverwechselbaren Jazz-Improvisationen. Seit Ende der siebziger Jahre hat er sich in zahlreichen Ensembles und mit eigenen Bands einen Namen gemacht. Mit seinem „Ansgar Elsner Quartett“ unternimmt er Streifzüge durch die Welt des traditionellen Jazz, deren Zauber er in modernen Interpretationen wieder aufleben lässt.
Karten sind beim Glocke-Ticket-Service unter 02522/73300 für 8,- EUR bzw. 6,- EUR (zzgl. VVK-Gebühr) und an der Abendkasse für 10,- EUR bzw. 8,- EUR erhältlich.
Museum für Westfälische Literatur - Kulturgut Haus Nottbeck
Landrat-Predeick-Allee 1
59302 Oelde-Stromberg
Öffnungszeiten:
Dienstag – Freitag: 14.00 – 18.00 Uhr
Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 11.00 – 18.00 Uhr
Kultur-Café
Öffnungszeiten:
Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 14.00 – 18.00 Uhr
Und nach Vereinbarung
Weitere Informationen unter Tel.: 0 25 29 / 94 55 90

