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Reinhard Döhl: Umsetzung seines literarischen Testaments

Reinhard Döhl. Mülltonne in Botnang (Fortführung 1)
Reinhard Döhl. Mülltonne in Botnang (Fortführung 2)
Reinhard Döhl: Apfel

Eine Hommage an den Universalschriftsteller und Hauptvertreter der visuellen Poesie in seiner „literarischen Heimat“ auf dem Kulturgut Haus Nottbeck.

 

Kultur/Westfalen. Mit dem Tod des universalen Sprachkünstlers Reinhard Döhl im Frühjahr 2004 geriet eines seiner vielen Projekte ins Stocken: Seine Chansons, teilweise dreißig, vierzig Jahre alt, sollten neu erarbeitet und von Jazzmusikern auf dem Kulturgut Haus Nottbeck zu Gehör gebracht werden. Die Pläne werden nun als Hommage an den gebürtigen Wattenscheider weiter verfolgt. Am 17. November interpretieren die Musiker Christian Kappe (Trompete) und Marc Brenken (Piano) zusammen mit dem Schauspieler Andreas Ramstein die oft mit einer Prise Humor gewürzten Sprachexperimente des Dichters. Die Umsetzung des literarischen Testaments von Reinhard Döhl ist ein Projekt der Literaturkommission für Westfalen und des Museums für Westfälische Literatur. Das literarische Konzert auf dem Kulturgut Haus Nottbeck beginnt um 19.30 Uhr.

 

Reinhard Döhl zählt zu den herausragenden Vertretern der visuellen und experimentellen Poesie. Seine häufig doppelbödigen Sprachkunstwerke haben Literaturgeschichte geschrieben. Fast jedem – auf jeden Fall allen Besuchern des Museums für Westfälische Literatur – ist seine bekannteste Arbeit schon einmal begegnet: In die Silhouette eines Apfels hat sich neben dem vielfach wiederholten Wort „Apfel“ das kleine Wörtchen „Wurm“ eingenistet. Das Musterbeispiel visueller Poesie ging um die Welt, wurde in viele Sprachen übersetzt und fand Eingang in Schullesebücher.

 

Die Arbeitswerkstatt des Universalkünstlers schloss nicht nur die Literatur, sondern auch die Bildende Kunst und die Musik mit ein. Er war Collagist, Typograf, Hörspielexperimentator, Theaterautor, Chansonnier und vieles mehr. In all diesen Arbeitsbereichen wurde ihm hohe internationale Anerkennung zuteil. Er pendelte zwischen den Kontinenten so wie zwischen den künstlerischen Genres, rastlos tätig und Brücken bauend zwischen Kunstschaffenden und Publikum. Dass er dabei immer neue, innovative Ausdrucksmöglichkeiten erkundete und erprobte, lag in der Natur der Sache. Als einer der ersten Künstler begann Reinhard Döhl die virtuelle Dimension des Internets zu nutzen und in seine Sprachexperimente einzubeziehen. Die Modernität und Offenheit Döhls zeigt sich auch daran, dass er dieses Medium von Anfang an als Bühne seiner künstlerischen Arbeiten betrachtete. Es bot ihm ideale Möglichkeiten, seine Kunst weltweit zu präsentieren und mit anderen Kunstschaffenden in Kontakt zu treten. So war er an vielen künstlerischen Gemeinschaftsarbeiten, internationalen Ausstellungs- und Mail-Art-Projekten beteiligt.

 

Neben alledem war Döhl ein angesehener Wissenschaftler. Sein Hauptberuf als Literaturwissenschaftler an der Universität Stuttgart verband sich auf eigenwillige Weise mit dem des Künstlers. Der Grenzgänger Döhl über sich selbst: „Wissenschaftlich komme ich von der Philologie, literarisch von der experimentellen und engagierten Literatur, bildkünstlerisch von der Photographie und der Collage her. Wechsel dieser Tätigkeitsfelder, die für mich nicht eigentlich zu trennen sind, sind Fortsetzungen meines Fragens mit anderen Mitteln. Wenn möglich bevorzuge ich den künstlerisch-wissenschaftlichen Dialog.“

 

Der 1934 in Wattenscheid geborene Poet studierte an der Büchereifachschule Hamburg sowie an den Universitäten Göttingen und Stuttgart, wo er promovierte und sich habilitierte. Er erhielt zahlreiche Lehraufträge und Gastprofessuren, u.a. an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, der Karl-Franzens-Universität Graz, der Kansai-Universität Osaka und der Hebrew University Jerusalem, und wurde für sein Werk mit vielen Preisen ausgezeichnet.

 

Reinhard Döhl fühlte sich eng mit dem Kulturgut Haus Nottbeck verbunden: „Ein bisschen Heimat“ habe ihm vor zwei Jahren die im Literaturmuseum präsentierte Gemeinschaftsausstellung mit Karl Riha wiedergegeben, schrieb Döhl einmal selbst.

 

Auch der Jazz-Trompeter Christian Kappe ist auf dem Kulturgut kein Unbekannter: Er leitete Jazz-Workshops und wirkte bei zahlreichen Literaturkonzerten mit. Zuletzt gestaltete er zusammen mit dem Vers-Virtuosen Peter Rühmkorf und dem WAF-Jazz-Ensemble einen Lyrik-und-Jazz-Abend zur Peter-Rühmkorf-Ausstellung im Museum für Westfälische Literatur.

 

Der 1973 in Wilhelmshaven geborene Marc Brenken studierte an der Folkwang-Hochschule Essen und machte sich schnell einen Namen in der Jazz-Szene des Ruhrgebiets und darüber hinaus. Neben CD- und Live-Projekten war er auch an der Filmmusik des Kinoerfolgs „Sonnenallee“ beteiligt.

 

Andreas Ramstein genoss eine Ausbildung an der Schauspielakademie Zürich und erhielt anschließend Engagements u.a. am Stadttheater Pforzheim und den Städtischen Bühnen Münster, Krefeld, Bochum und Wuppertal. Er ist als Sprecher in zahlreichen Hörspiel-Produktionen des WDR und Deutschlandfunks zu hören. Seine Stimme ist Kennern des Kulturguts durch das Hörspiel „Die Spur des Malers“ von Georg Bühren bekannt, das an den drei Hörinseln im Museumspark erlebt werden kann.

 

Karten zum Preis von 8,- / 6,- EUR (zzgl. VVK-Gebühr) sind erhältlich beim Glocke-Ticket-Service unter der Tel. 02522-73300.

 

Weitere Informationen unter Tel.: 0 25 29 / 94 55 90.

 

Museum für Westfälische Literatur - Kulturgut Haus Nottbeck

Landrat-Predeick-Allee 1

59302 Oelde-Stromberg

 

Öffnungszeiten:

Dienstag – Freitag: 14.00 – 18.00 Uhr

Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 11.00 – 18.00 Uhr

 

Kultur-Café

Öffnungszeiten:  

Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 14.00 – 18.00 Uhr

Und nach Vereinbarung