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Vom Kiez in den Brederwald

Premiere auf dem Kulturgut Haus Nottbeck: Krimi-Profi Frank Göhre rollt den Fall Judenbuche neu auf. Autoren-Lesung und Gespräch mit Droste-Experte Dr. Jochen Grywatsch im Rahmen der Ausstellung „Die Reise nach dem Mond. Annette von Droste-Hülshoff im Rheinland“ am 14. 11. 2008, 19 Uhr.

 

Bloße Andeutungen lassen Schlimmes erahnen, ein bedrohlicher Abgrund scheint hinter jeder Anspielung zu lauern. Mit dieser Rezeptur weiß Autor Frank Göhre („St. Pauli Nacht“) das Publikum seit Jahrzehnten zu fesseln. Die gleiche Qualität findet er auch in einer Krimigeschichte der Weltliteratur, Annette von Droste-Hülshoffs „Die Judenbuche“. Am 14. November 2008 liest Göhre auf dem Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde Auszüge aus dem Literaturklassiker und stellt anschließend erstmals seine Kurzgeschichte „Unter der alten Eiche“ vor. Darin verarbeitet der erfolgreiche Krimiautor eine Phantasie über die Schuld des Friedrich Mergel, des mutmaßlichen Mörders in der Droste-Novelle, und kommt zu einer höchst überraschenden Auflösung des ungeklärten Falls. Im Gespräch mit dem Literaturwissenschaftler und Droste-Experten Dr. Jochen Grywatsch stellt Göhre seine neue Interpretation des Falls „Judenbuche“ zur Diskussion. Beginn 19.00 Uhr.

 

Authentizität lautet einer der Schlüsselbegriffe zu Frank Göhres Werk. Schon seit Ende der Sechziger Jahre beeindruckt der heute 64-jährige Roman-, Drehbuch- und Hörspielautor mit seinen wirklichkeitsnahen Fallstudien Kritiker und Publikum gleichermaßen. Er ist im Stande, seine gründlich ausgewählten Stoffe mit empirischer Exaktheit erzählerisch zu veredeln und seinen Charakteren eine menschlich-allzumenschliche Glaubwürdigkeit zu verleihen. Seine intensiven Recherchen lassen eine deutliche biographische Prägung erkennen, gehörte Göhre in den Achtziger und Neunziger Jahren doch zum Who-is-Who des Hamburger Kiez-Milieus, das er in seiner Kiez-Trilogie – darunter der von Sönke Wortmann verfilmte Roman „St. Pauli Nacht“ – beschrieb. Nachhaltigen Ruhm erhielt Göhre zudem durch seine zahlreichen Drehbücher, unter anderem für den Götz-George-Film „Abwärts“ (1979), die Reihe „Tatort“ sowie die Fernsehserie „Peter Strohm“.

 

Vom vergangenen schmuddeligen Charme der Hansestadt, auf den Göhre inzwischen nostalgisch zurückblickt, und nach einer längeren Phase von Fernseharbeiten hat sich der Autor zuletzt  einem seiner wichtigsten Einflüsse zugewendet, einem typischen Göhre-Protagonisten: Dem von Drogen zerfressenen und vom Leid geplagten, genialen wie tragischen Begründer des modernen deutschen Kriminalromans Friedrich Glauser setzte der Autor mit dem fiktional-biographischen Roman „MO“ (2008) ein Denkmal.

 

Kiez-Romane sind von Göhre nicht mehr geplant – ihn zieht es zurück zum klassischen Kriminalfall, hinaus in die Provinz. Mit seiner Bearbeitung des Droste-Mysteriums um den Mord an Förster Brandis und den undurchsichtigen Charakter des Friedrich Mergel bleibt Göhre im Krimisegment und stellt erneut seine einzigartige Fähigkeit unter Beweis, aus wenigen, versteckten Indizien eine ebenso originelle und lebensechte wie spannende und unterhaltsame Interpretation abzuleiten. Man darf also sehr neugierig sein auf einen unterhaltsamen Abend mit Frank Göhre und seiner Droste-Version mit der ihm eigenen, ganz speziellen Note.

 

Frank Göhres Geschichte „Unter der alten Eiche“ ist erschienen in der Anthologie „Mord-Westfalen – Kriminelle Geschichten aus Ostwestfalen-Lippe“ (Pendragon-Verlag, 2008).

 

 

Karten gibt es beim Die Glocke-Kartenservice (Tel.: 02522-73300), Forum Oelde (Tel.: 02522-72800) und im Kulturgut Haus Nottbeck (Tel.: 02529-945590).

 

Platzkategorie A: VVK 12,00 EUR / 10,00 EUR (zzgl. VVK-Gebühr)

                              AK  14,00 EUR / 12,00 EUR

Platzkategorie B: VVK 10,00 EUR / 8,00 EUR (zzgl. VVk-Gebühr)

                              AK  12,00 EUR / 10,00 EUR 

 

 

Museum für Westfälische Literatur - Kulturgut Haus Nottbeck

Landrat-Predeick-Allee 1

59302 Oelde-Stromberg

 

Öffnungszeiten:

Dienstag – Freitag: 14.00 – 18.00 Uhr

Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 11.00 – 18.00 Uhr

Weitere Informationen unter Tel.: 0 25 29 / 94 55 90 und www.kulturgut-nottbeck.de