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Rebellion der Söhne

Alle Jahre wieder: Filmplakat (oben) und -szene (unten)

Westfalens Aufbruch im Roman und Film der 1950er und 1960er Jahre. Öffentlicher Workshop, Autorenlesung mit Hermann Kinder aus „Der Schleiftrog“ und Filmpräsentation „Alle Jahre wieder“ am 22. November 2008 im Museum für Westfälische Literatur

 

Kultur/Westfalen. In den 1950er Jahren ereignete sich in Westfalen ein literarischer Urknall. Junge Rebellen forderten eine neue Literatur und ließen ihren Worten Taten folgen. Autoren wie Paul Schallück und im Gefolge Thomas Valentin, Otto Jägersberg und Hans Dieter Schwarze verfassten Werke, in denen sich der neue Ton der Moderne, ein neuer Sound, Bahn brach. Mit der Generation der Väter und dem politisch-moralischen „Mief“ der Nachkriegszeit gingen die Umstürzler und Literatur-Rebellen ebenso hart wie provokativ ins Gericht. Sie forderten eine radikale Abkehr von der traditionellen Heimatliteratur und die Hinwendung zu akuten Fragen und Problemen der Gegenwart.

 

Der öffentliche Workshop am 22. November 2008 auf dem Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde entwirft ein kulturpolitisches Diagramm jener Restaurationszeit. Die Tagung (10-18 Uhr) geht den mentalitätsgeschichtlichen Spuren jener spannungs- und konfliktbeladenen Zeit nach, die in der Literatur, aber auch im Film eine neue, unverbrauchte Ästhetik entwickelte. In der Schauspieler- und Film-Dynastie Schamoni fand der neue deutsche Film vor westfälischen Kulissen bundesweite Wahrnehmung. Als besonderes Bonbon der Veranstaltung liest der Autor Hermann Kinder um 18.30 Uhr aus „Der Schleiftrog“ (1977); anschließend kommt der Kultfilm „Alle Jahre wieder“ (1967) von Ulrich Schamoni zur Aufführung.

 

Mit seinem Roman-Debut „Der Schleiftrog“ landete der damals Anfang 30-jährige Hermann Kinder einen von der Kritik begeistert gefeierten Erstlingserfolg. Ihm war es gelungen, die goethesche Gattung des Bildungsromans in die frühe Bundesrepublik zu transponieren. Im Stil eines modernen Chronisten verfolgte Kinder die Reifung seines Ich-Erzählers vom Knaben in der britischen Besatzungszone zum prototypischen Jung-Intellektuellen der 60er Jahre, jedoch nicht ohne einen Schuss galligen Humor, der an die Protagonisten der neuen Frankfurter Schule – F.W. Bernstein, Robert Gernhard und Eckhard Henscheid – erinnert.

 

Der Film „Alle Jahre wieder“ erzählt die Geschichte des vierzigjährigen Werbetexters Hannes Lücke, der wie immer zu Weihnachten seine Familie in Münster besucht. Diesmal bringt er seine Geliebte mit; er quartiert sie in ein Hotel ein. Vor der Entscheidung – Scheidung oder Rückkehr – drückt er sich abermals, es bleibt alles beim Alten. „Alle Jahre wieder“ ist die Karikatur einer verspießerten Generation, die in ihrer naiven antibürgerlichen Haltung sämtliche bürgerliche Verhaltensmuster bedient. Im Winter 1966/67 innerhalb weniger Wochen in Münster von Ulrich Schamoni gedreht, gewann der Film kurze Zeit später auf der Berlinale den Silbernen Bären – und dazu die Herzen der Zuschauer bis auf den heutigen Tag. Insbesondere in Münster hat dieser kleine Spielfilm, der eine Alltagsgeschichte wunderschön mit viel Zeit- und Lokalkolorit erzählt, längst Kultstatus erreicht. Mit Sabine Sinjen, Ulla Jakobsson, Hans Dieter Schwarze, Johannes Schaaf, Rosemarie Fendel.

 

Die öffentliche Tagung ist ein Projekt der LWL-Literaturkommission für Westfalen in Kooperation mit dem LWL-Landesmedienzentrum für Westfalen und dem Museum für Westfälische Literatur.

 

Tagung (10.00-18.00 Uhr): Eintritt frei

Lesung und Film (18.30/20.30 Uhr): Kombiticket AK 8,00 EUR / 6,00 EUR

Für ein gastronomisches Angebot ist gesorgt.

 

 

 

Museum für Westfälische Literatur - Kulturgut Haus Nottbeck

Landrat-Predeick-Allee 1

59302 Oelde-Stromberg

 

Öffnungszeiten:

Dienstag – Freitag: 14.00 – 18.00 Uhr

Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 11.00 – 18.00 Uhr

Weitere Informationen unter Tel.: 0 25 29 / 94 55 90 und www.kulturgut-nottbeck.de

Pressekontakt: Dirk Bogdanski, 02529-945592