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Provinzgespenster und bunte Hunde
Literatur und Musik mit Jungautor Martin Becker am 26. Juni 2009 im Museum für Westfälische Literatur in Oelde-Stromberg
Mit seinem einhellig gelobten Erzählband „Ein schönes Leben“ ist dem erst 26-jährigen Autor Martin Becker ein regelrechter Senkrechtstart gelungen. Viele sehen in dem gebürtigen Sauerländer bereits einen der hoffnungsvollsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart. In seinen schaurig-schrägen Balladen erzählt der bekennende „Heimatkundler“ von provinzieller Trostlosigkeit und dem komischen Unglück der Lebensuntüchtigen. Eine Kostprobe erwartet das Publikum am 26. Juni 2009 auf dem Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde. Die Lesung mit Musik als öffentlicher Teil des Symposiums „Du bist Provinz“ beginnt um 20.00 Uhr.
In „Ein schönes Leben“ unternimmt Martin Becker einen grotesken Parabelflug durch traumschön schlimme Welten, wo sich das kleine Glück auf dem Land als Lebendfalle entpuppt, wo Banales, Altbekanntes und Gewohntes zur handfesten Bedrohung mutiert. Namenlosen Untiefen der Republik sind die Handlungsorte, das Bellen und Jaulen der Hunde ein allgegenwärtiges Depressionsbarometer. Gespenstisch geht es dort zu, wenn der jüngste Gemeindepopanz abgefeiert oder in der Supermarktkette der Generalstreik ausgerufen ist. Gestörte Antihelden irren durch ein kollektives, surreales Irgendwo, dauernd auf der Flucht vor dem unentrinnbaren Hier. Im groben Zerrspiegel einer oft komischen, immer präzisen und erschütternd nackten Prosa zeichnen sich die Umrisse der Provinzgesellschaft im freien Fall ab, deren existenzielle Ängste, Nöte und Sehnsüchte sich bis zur Kollision verdichten: Hier die in den Ruin Getriebenen am Rande des Selbstmords, dort die Suchenden, verzweifelt um Familie und Heimat, Liebe und Freiheit ringend. Dazwischen grollen die Alten, hadernd, abgeschrieben, den Tod im Nacken, während sich ramponierte Seelen an Schnaps, Zigaretten und dem lieben Vieh trösten. All das ist immer irgendwie auch zum Lachen – hoffnungslos, aber nicht ernst.
Martin Becker wurde 1982 geboren, studierte am Literaturinstitut in Leipzig und lebt inzwischen in Berlin. Er rezensiert, porträtiert und schreibt Glossen und Kommentare für den WDR. Musikalisch begleitet wird die Lesung im Museum für Westfälische Literatur von dem gebürtigen Düsseldorfer Ulrich Wagner (Klavier) und dem aus Münster stammenden Kai Dorenkamp (Akkordeon). Wagner ist Fachbereichsleiter an der Städtischen Musikschule Ibbenbüren und arbeitet als Begleitmusiker, Komponist und Arrangeur. Kai Dorenkamp schreibt Songs und Musik für Fernsehkrimis (SOKO Leipzig) und das Kinderfernsehen (Die Sendung mit der Maus). Als Pianist der Band „Bernd Begemann und die Befreiung“ war er bereits im Frühjahr zu Gast auf dem Kulturgut bei dem legendären Konzert zur Ausstellung „Stadt.Land.Pop“.
Die Lesung mit Martin Becker ist eine von drei öffentlichen Veranstaltungen im Rahmen der vom Filmservice Münster.Land initiierten Reihe „Du bist Provinz“. Weitere Informationen unter: www.muenster.de/stadt/filmservice oder Tel.: 0251-492 1380.
Karten gibt es beim Die Glocke-Kartenservice (Tel.: 02522-73300), dem Forum Oelde (Tel.: 02522-72800) und im Kulturgut Haus Nottbeck (Tel.: 02529-945590).
Eintritt: VVK 10,00 EUR / 8,00 EUR (zzgl. VVK-Gebühr); AK 12,00 EUR / 10,00 EUR
Freie Platzwahl
Museum für Westfälische Literatur - Kulturgut Haus Nottbeck
Landrat-Predeick-Allee 1
59302 Oelde-Stromberg
Öffnungszeiten:
Dienstag – Freitag: 14.00 – 18.00 Uhr
Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 11.00 – 18.00 Uhr
Kultur-Café
Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 14.00 – 18.00 Uhr
Und nach Vereinbarung
Pressekontakt: Dirk Bogdanski, Tel: 02529-945592; bogdanski@kulturgut-nottbeck.de




