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Fest in Arbeiterhand: Literaturmuseum erinnert an die Dortmunder Gruppe 61

"Wir stören? Das ist unsre Absicht", heißt es in Hildegard Wohlgemuhts Gedicht, das als Leitlinie der Dortmunder Gruppe 61 aufgefasst werden kann. Eine neue Ausstellung im Museum für Westfälische Literatur wirft ab dem 19. Mai 2011 einen Blick zurück auf ein Kapitel bewegter Zeit- und Literaturgeschichte.

 

Was ist eigentlich Literatur? Und: Wer macht Literatur? Genauer gefragt: Wer darf überhaupt Literatur machen? Anfang der 1960er Jahre sorgten diese Fragen für einen Skankal in der Literaturwelt in ganz Deutschland. Ausgelöst wurden sie von der legendären Autorenvereinigung Dortmunder Gruppe 61. Ihre Forderung: Literatur müsse sich den sozialen Problemen der Industrie- und Arbeitswelt zuwenden. Ihre Mitglieder: Arbeiter, Bergmänner, Angestellte und schreibende Menschen, die den Gegenstand ihres Alltags, die Arbeit, literarisch erfassen wollten. Dem fast vergessenen Dichterbund, der sich vor 50 Jahren zusammenschloss und durch seine literarisch-künstlerische Auseinandersetzung mit dem Alltag von Industriearbeitern kräftig am schönen Schein der Literatur rüttelte, ist vom 19. Mai bis zum 3. Juli 2011 die Ausstellung "Schreibwelten - Erschriebene Welten. Die Dortmunder Gruppe 61" im Museum für Westfälische Literatur in Oelde-Stromberg gewidmet.

 

 

 

"Die Gründung der Gruppe 61 läutete eine neue Zeitrechnung nicht nur in der westfälischen Literaturgeschichte ein. Mit der Ausstellung des Fritz-Hüser-Instituts für Literatur und Kultur der Arbeitswelt im Museum für Westfälische Literatur gratuliert das Kulturgut Haus Nottbeck nun zum 50. Geburtstag", sagte Museumsleiter Prof. Dr. Walter Gödden beim ersten Rundgang durch die Schau. Zuvor gastierte die Ausstellung "Schreibwelten - Erschriebene Welten" im Museum für Kunst- und Kulturgeschichte in Dortmund. "Wir freuen uns sehr, dass das Projekt zwar in modifizierter Form, dafür aber nicht minder spannend, auch im Museum für Westfälische Literatur zu entdecken ist", fügte Gödden hinzu. Die Ausstellung wirft einen spannenden Blick auf den Aufbruch, der von der Gruppe ausging, im Kontext der zeitgeschichtlichen Zusammenhänge der 60er und beginnenden 70er Jahre. Textbeispiele, Ton- und Filmzeugnisse schildern die Bandbreite der Autoren und dokumentieren verschiedene Schaffensphasen der Gruppe 61, die sich offiziell nie aufgelöst hat. 

 

 

 

Zu den prominentesten Autoren der Gruppe zählen Max von der Grün, Günther Wallraff und Wolfgang Körner. Sie machten die Arbeitsbedingungen und Alltagsverhältnisse, Technik und Kosumwahn ungeschminkt zum Stoff ihrer engagierten und politischen Literatur. Dem Mentor der Gruppe, dem Dortmunder Stadtbücherei-Direktor Fritz Hüser, sei es darum gegangen, "einer neuen Industriedichtung den Weg zu bahnen und einen neuen 'Sozialen Realismus" in der Literatur zu etablieren", betont Hanneliese Palm, Leiterin des Dortmunder Fritz-Hüser-Instituts für Literatur und Kultur der Arbeitswelt. So sollte Literatur nicht mehr Ausdruck einer intellektuellen Elite sein, sondern von Menschlichkeit, Solidarität und Gegenwart. Viele Texte der Gruppe 61 sind bis heute aktuell und gut lesbar geblieben.

 

 

Neben einem ausführlichen Begleitkatalog zur Ausstellung (19,95 EUR) ist im Museum für Westfäliche Literatur auch der für die Gruppe 61 wegweisende Hörspielklassiker "Der Durchbruch" von Bruno Gluchowski aus dem Jahre 1954 als brandneue Audio-CD des LWL-Medienzentrums für Westfalen (9,90 EUR) erhältlich.

 

 

Die Sonderausstellung "Schreibwelten - Erschriebene Welten" ist bis zum 3. Juli 2011 im Museum für Westfälische Literatur zu sehen. Der Eintritt ist frei. Ein Projekt des Fritz-Hüser-Instituts Dortmund. Kuratiert von Prof. Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann und Dr. Jasmin Grande. Ausstellungsdesign AWard Associates, Münster.

 

 

 

 

Museum für Westfälische Literatur – Kulturgut Haus Nottbeck

Landrat-Predeick-Allee 1

59302 Oelde-Stromberg

 

Öffnungszeiten:

Dienstag – Freitag: 14.00 – 18.00 Uhr

Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 11.00 – 18.00 Uhr

 

Kultur-Café

Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 14.00 – 18.00 Uhr

Und nach Vereinbarung

 

Pressekontakt:

Dirk Bogdanski, Tel: 02529-945592; bogdanski@kulturgut-nottbeck.de