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Ein gewagtes Stück Literatur: Kardinal von Galen als Romanfigur
Mit einer Lesung und anschließenden Diskussion lässt das Museum für Westfälische Literatur in Oelde die hitzige Debatte um Roland E. Kochs Roman um den "Löwen von Münster" Revue passieren.
Kaum ein anderer Roman erhitzte die Gemüter im vergangenen Jahr so stark wie Roland E. Kochs "Dinge, die ich von ihm weiß". Denn mit Clemens August von Galen steht eine "Lichtgestalt" der katholischen Kirche im Mittelpunkt des Geschehens, die mit literarischen Mitteln neu gedeutet wird. Für die einen ist es der Inbegriff künstlerischer Freiheit, für die anderen schlichtweg ein Skandal, der sogar zu einem Boykott-Aufruf seitens des Bischofs von Münster führte. Am 26. Januar 2012 liest Roland E. Koch im Kulturgut Haus Nottbeck aus seinem gewagten Roman und stellt sich in dem anschließenden Autorengespräch den Fragen der Literaturkritiker Soraya Levin und Hermann Wallmann. Moderiert wird die Diskussion von Dirk Baldus, dem stellvertretenden Chefredakteur der Tageszeitung "Die Glocke". Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr.
Entzündet hatten sich die kritischen Reaktionen auf Kochs "Dinge, die ich von ihm weiß" vor allem an der fiktiven Liebesbeziehung des 2005 selig gesprochenen Kardinals von Galen zu seiner Haushälterin, der münsterländischen Bauerntochter Maria. Aus der Liason geht im Roman sogar eine gemeinsame Tochter hervor, die auf dem Hof von Marias Bruder vor den Augen der Welt versteckt werden muss. Im Roman erinnert sich Maria über 20 Jahre nach dem Tod von Galens an die bewegte Zeit zwischen 1933 und 1946. Sie erzählt von den menschlichen Seiten, den Stärken, Schwächen und Ängsten des Bischofs und von einem Leben voller Höhen und Tiefen, in dem das Politische das Private bestimmt hat und doch die Hoffnung auf ein anderes Leben nicht verloren ging.

- Kardinal von Galen: Fotografie, Telgte 16. März 1946. (Foto RELíGIO-Bildarchiv)
Ist es statthaft, eine historische Figur wie von Galen, der in der Öffentlichkeit als heldenhafter "Löwe von Münster" wie eine Ikone des Widerstandes verehrt wird, in einem solchen Zusammenhang auftreten zu lassen?
Roland E. Koch ging es - wie er selbst betont - keineswegs um eine Generalabrechnung mit dem Bischof oder die Leugnung seiner Größe. Vielmehr habe er die menschliche Seite von Galens in den Blick nehmen wollen: "Ich wollte ihm so nah wie möglich kommen, habe mich gefragt, wie er war, wie er gelebt hat und was in ihm vorging, wenn er allein war. [...] Ich wollte ihn aber vor allem von dem Sockel holen, auf dem er steht, wo man ihn als Menschen gar nicht mehr erkennt, [...] um ihn wieder ins Gespräch zu bringen, abseits von der wissenschaftlichen Diskussion, denn ich habe festgestellt, dass viele Jüngere nichts mehr über ihn wissen."
Kann die erfundene Geschichte helfen, den Menschen von Galen besser zu verstehen? Ist es vielleicht sogar eine Chance, sich generell auf freie fiktive Weise geschichtlichen Personen zu nähern? Auf Antworten darf man gespannt sein bei der Diskussion im Anschluss an die Lesung.
Roland E. Koch, geboren 1959 in Hagen, promovierte über Heimito von Doderer und lebt als freier Schriftsteller in Köln. Er veröffentlichte zahlreiche Kurzgeschichten, Erzählungen und Romane. Für sein Werk wurde er vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Bettina-von-Arnim-Preis. Er war Gastprofessor am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim und unterrichtet seit 2008 Kreatives Schreiben an der Universität Siegen.
Eintritt: VVK 10 € / 8 € (zzgl. VVK-Gebühr); AK 12 € / 10 €
Weitere Informationen unter Tel.: 02529-945590 oder www.kulturgut-nottbeck.de
Museum für Westfälische Literatur - Kulturgut Haus Nottbeck
Landrat-Predeick-Allee 1, 59302 Oelde-Stromberg
Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag: 14.00 – 18.00 Uhr
Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 11.00 – 18.00 Uhr
Kultur-Café
Geöffnet: Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 14.00 – 18.00 Uhr
sowie nach Vereinbarung
Pressekontakt:
Dirk Bogdanski, Tel: 02529-945592; bogdanski@kulturgut-nottbeck.de



