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Ausstellung und Konzert: August Stramm

Ausstellung "august stramm: texte", Eröffnung
Ausstellung "august stramm: texte"
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Ausstellung "august stramm: texte"
Ausstellung "august stramm: texte", Aufbau

Wie Hammerschläge durchs Mark:
Der expressionistische Dichter August Stramm wird im Museum für Westfälische Literatur neu entdeckt. 
 

 

„Er ist für die deutsche Literatur das, was Wassily Kandinsky für die Malerei und Arnold Schönberg in der Musik war: Der Erfinder der Abstraktion“, sagt Professor Dr. Walter Gödden über den expressionistischen Dichter August Stramm (1874-1915). Stramm führte die Literatur an der Nahtstelle zwischen Tradition und Moderne an ungekannte Sprachgrenzen, die er auch als einer der Ersten überschritt. Als Meister expressiver Wort-Reduktion tilgte er alles, was ihm überflüssig erschien und verhalf damit dem einzelnen Wort zu neuer Ausdruckskraft. Von der Berliner Avantgarde gefeiert, wirkte der gebürtige Münsteraner wegweisend auf die Entwicklung der deutschen Dichtkunst, die über Alfred Döblin bis hin zu Arno Schmidt, Günther Grass, Ernst Jandl und Peter Rühmkorf reicht. Dennoch blieb sein Werk bis heute einem größeren Publikum nahezu unbekannt. Es ist an der Zeit, den bedeutenden expressionistischen Dichter aus Westfalen neu zu entdecken. Gelegenheit bietet die Ausstellung „august stramm: texte“ im Museum für Westfälische Literatur vom 29. Mai bis 21. September auf dem Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde-Stromberg.

 

Die sprachliche Innovations- und Sprengkraft August Stramms mag mit Blick auf seine Biographie zunächst verwundern, fügte er sich doch, äußerlich betrachtet, nur all zu sehr in das soziale und politische System des wilhelminischen Reiches. Als Reserveoffizier und tüchtiger Beamter baute er mit großem Ehrgeiz an seiner beruflichen und militärischen Laufbahn. Diese fand jedoch bald nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs ein jähes Ende: 1915 fiel er als Soldat im ostgalizischen Grodek.

 

Was August Stramm an Texten seiner Nachwelt hinterließ, zeugt indessen von einer zweiten, einer künstlerischen Existenz, in der das Leben rebelliert. Im Zentrum der Ausstellung stehen daher Stramms Texte, allen voran die Liebes- und Kriegsgedichte. Sowohl Erfahrungen der Liebe als auch die Grauen des Krieges vermag er in seiner Lyrik unpathetisch, in großer Schlichtheit und Präzision eindringlich zu vermitteln. Seine Dichtung ist dabei Wort-Kunst im eigentlichen Sinne: Bildgewaltig stehen Wörter und Satzsegmente im Raum, um ‚buchstäblich’ wie Hammerschläge durch Mark, Bein und Kopf zu gehen und dort noch lange nachzuhallen. „August Stramm ist einer der einflussreichsten Schriftsteller aus Westfalen. Ein Avantgardist und sprachlicher Grenzgänger von ungeheurer Innovationskraft, der nun im Literaturmuseum neu entdeckt werden kann“, so Prof. Dr. Walter Gödden, wissenschaftlicher Leiter des Museums für Westfälische Literatur.

 

Beim literarisch-musikalischer Auftakt zur Ausstellung gab der aus zahlreichen Hörspiel-Produktionen des WDR und Deutschlandfunks bekannte Schauspieler Andreas Ramstein den Texten des Expressionisten gemeinsam mit den renommierten Jazz-Musikern Christian Kappe (Trompete) und Marc Brenken (Piano) einen atmosphärisch dichten Ausdruck auf der Bühne. Die Veranstaltung wurde mitgeschnitten und wird als CD-Produktion in der Reihe "Live! auf dem Kulturgut" veröffentlicht.

„august stramm: texte“ ist ein Projekt der LWL-Literaturkommission für Westfalen in Zusammenarbeit mit dem Museum für Westfälische Literatur, unterstützt von der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften in Westfalen. Konzept: Professor Dr. Walter Gödden. Umsetzung Stefan Gellendin.

Museum für Westfälische Literatur - Kulturgut Haus Nottbeck

Landrat-Predeick-Allee 1

59302 Oelde-Stromberg

 

Öffnungszeiten:

Dienstag – Freitag: 14.00 – 18.00 Uhr

Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 11.00 – 18.00 Uhr

 

Kultur-Café

Öffnungszeiten:  

Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 14.00 – 18.00 Uhr

Und nach Vereinbarung