Heinrich Schirmbeck wiederentdeckt

Das Leben und Werk des Schriftstellers Heinrich Schirmbeck (1915-2005) blieb, trotz beträchtlicher Erfolge zu Lebzeiten, lange Zeit unerforscht. Vom 18. Oktober 2015 bis zum 31. Januar 2016 besteht in der Dauerausstellung des Museums für Westfälische Literatur auf dem Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde die Möglichkeit, sich mit dem interessanten wie einflussreichen Lebenswerk des Schriftstellers und Visionärs auseinanderzusetzen.

 

Der am 23.02.1915 in Recklinghausen geborene und mit der Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt am Main ausgezeichnete Schriftsteller Heinrich Schirmbeck bekundete schon während seiner Schulzeit ein reges Interesse an Literatur und Politik. Durch kritische Äußerungen über die faschistischen Tendenzen der Republik wurde ihm 1934, trotz überdurchschnittlicher Abiturbewertungen, eine Zulassung zum Hochschulstudium verwehrt. In seiner anschließenden Wanderzeit als Buchhändler konnte er seine Leidenschaft – die Literatur – weiterverfolgen und lernte in Berlin den Verleger Peter Suhrkamp kennen. Aus dieser Beziehung entwickelte sich eine Freundschaft, die Suhrkamp 1944 dazu veranlasste, trotz Zensur und vorherrschendem Papiermangel, Schirmbecks ersten Erzählband „Die Fechtbrüder“ zu verlegen – Erzählungen die unter anderem mit den Werken von Edgar Allan Poe verglichen wurden. Mit seinem 1957 erschienenen Roman „Ärgert dich dein rechtes Auge“, von der Kritik als Meisterwerk der deutschen Literatur gelobt, wurde er einem größeren Leserkreis bekannt.

 

1960 wandte sich Schirmbeck von der Erzählliteratur ab, konzentrierte sich auf Essays und Studien zur Wissenschafts- und Kulturkritik, bis er sich 1980 endgültig der Friedenspolitik widmete. Mit seinem Ansatz, die Literatur für die Wissenschaft und die gesellschaftlichen Strukturen fruchtbar zu machen, wurde er von seinem Schriftstellerkollegen Fritz Usinger als Vorreiter und Visionär beschrieben. Am 4. Juli 2005 starb Heinrich Schirmbeck in seiner Wahlheimat Darmstadt.

 

Schirmbecks wichtigste Werke, zahlreiche Dokumente und Würdigungen wurden von Inge Bischof zusammengetragen und sind ab Sonntag, dem 18. Oktober, im Museum für Westfälische Literatur zu sehen. Ein Lesebuch zum Werk des Autors, erschienen in der Reihe Nylands Kleine Westfälische Bibliothek, ist im Museumsshop zum Preis von 8,50 € erhältlich.

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